Unschuldsgeburt
Wir müssten wieder Kinder sein,
sonnenblumenmäuschenklein,
zuckererbsenschotenfein,
daumenfingerdäumlinggroß –
dabei sind wir bloß
künstlich kultivierte Seelen,
zu erwachsen, um zu stehlen
Kirschen aus des Nachbars Garten,
die vergeblich auf uns warten,
da wir, auf den Schein versessen,
heute unser Einst vergessen
und – o weh – stattdessen
Lügen leben, Neidereien,
die im wunden Herz gedeihen,
die dem kranken Hirn entsprungen
und den bösen Menschenzungen,
welche von dem Gift durchdrungen,
das nun seuchengleich grassiert,
niemals seinen Reiz verliert.
Overwhelming illusion
Birth of innocence
We should be children again,
freed from desire of man,
pure as innocence,
with a natural sense
of good and bad –
but instead
we want to maintain a false shape
that we cannot escape
because we have learned to live with the lie –
and with the lie within us, we die.

Wahre Schönheit kommt von innen – das bewahrheitet sich immer wieder.
Dabei hat jedes Lebewesen die ihm eigene innere Schönheit, die es im Wesentlichen mit Körper- und Geisteshaltung nach außen trägt – und damit zu einer lebens- wie liebenswerteren Welt beitragen kann.
Und das ist von größtem Wert.
Doch bei aller Liebe: die Welt, in der wir leben, in der ich groß geworden bin, ist eine Welt der Äußerlichkeiten und oft mehr Schein als Sein.
Und dennoch macht der – schöne – Schein das Leben lebenswerter, denn durch die rosa Brille erscheint die ungeschönte Wahrheit nicht so unschön und das Dasein ungleich schöner.
True beauty comes from within – this has been proven true again and again.
Yet every living being has its own inner beauty, which it essentially conveys outwardly through its physical and mental attitude – and can thus contribute to a world more livable and lovable.
And that is of the greatest value.
But with all due respect: the world we live in, the world I grew up in, is a world of externals and often more appearance than reality.
And yet the – beautiful – appearance makes life more worth living, because through rose-colored glasses, the unvarnished truth doesn’t appear so unpleasant, and existence seems incomparably more beautiful.

Seit jeher schätzen wir Menschen ein gefälliges Äußeres – wobei im Allgemeinen gefällt, was nicht allzu ausgefallen, aus der Form gefallen, auffällig oder gar selbstgefällig ist.
Das schöne Ebenmaß kommt besser an als das Extremisierte – und obgleich extreme Ausformungen auch in der Natur vorkommen, sind sie, anders als die lebenstüchtige Normalform, nicht lange lebensfähig.
Ebenso wenig kann das scheinbar Unangepasste unter den „unmenschlichen“ Mitmenschen sozial nicht überleben, passt es ja nicht zur sozial anerkannten Norm.
We humans have always valued a pleasing appearance – although generally, we like what isn’t too unusual, out of place, conspicuous, or even self-satisfied.
A beautiful balance is more popular than the extreme – and although extreme forms also occur in nature, unlike the viable, normal form, they are not sustainable for long.
Likewise, the seemingly maladjusted cannot survive socially among „inhuman“ fellow human beings, as they do not fit the socially accepted norm.

Passe ich ins Bild, ist das schön und gut für mein soziales Überleben, denn dann kann es gut sein, dass mein ansprechendes Äußeres andere dazu verführt, mich anzusprechen.
Immerhin führt der Weg zur inneren Schönheit in unserer Welt des schönen Scheins meist über den äußeren Umweg.
Und sind die ersten Worte erst einmal gesprochen, ergibt ein Wort das andere, kommen im Gespräch ganz eindeutig jene inneren Werte zum Vorschein, die eine zweideutige nonverbale Körpersprache nicht zu verbalisieren vermag.
If I fit the mold, that’s fine and good for my social survival, because then my appealing appearance will lead others to approach me.
After all, in our world of appearances, the path to inner beauty usually leads via an external detour.
And once the first words are spoken, one word leads to another, and the conversation clearly reveals those inner values that ambiguous nonverbal body language cannot verbalize.

Verkennen statt an-erkennen
Ist meine äußere Erscheinung aber unpassend oder unangepasst, kann mir das, was ich trage, noch so gut passen: ich passe nicht ins Bild – und werde abgewertet.
Damit erscheinen auch meine inneren Werte für die Außenwelt wertlos, denn wenn ich nicht entspreche, wirke ich auf andere nicht ansprechend und werde nicht angesprochen – und dementsprechend kein wertschätzendes Gespräch.
Die Außenwelt nämlich bewertet mich zuallererst nach dem, was sie sieht oder in meinem äußeren Erscheinungsbild zu erkennen glaubt – und ich erlebe immer wieder, wie sich mein „Ansehen“ unter den Mitmenschen mit meinem Aussehen verändert.
Und da ich, die ich mein Leben als Experiment sehe, seit jeher mit meinem Aussehen experimentiere, finde ich es interessant zu sehen, wie andere mich sehen.
Und mir fällt auf, dass ein unauffälliges, mehr oder weniger unscheinbares Erscheinungsbild eher gefällt als ein allzu auffälliges in Erscheinung Treten.
Und je mehr Haut ich zeige, desto mehr missfällt es.
Genau darum ist Vorsicht angezeigt: denn was ich auf der Haut trage oder nicht, geht nicht selten unter die Haut, und ein provokantes Erscheinungsbild trägt dazu bei, Klischeebilder heraufzuprovozieren.
Misjudging instead of recognizing
If my outward appearance is inappropriate or unsuitable, no matter how well I wear what I wear, I don’t fit the mold – and am devalued.
This also makes my inner value appear worthless to the outside world, because if I don’t fit, I don’t seem appealing to others and that’s why I’m not approached by others – so there’s no appreciative conversation.
The outside world judges me first and foremost based on what it sees or believes it recognizes in my outward appearance – and I experience again and again how my „reputation“ among others changes with my appearance.
And since I, who see my life as an experiment, have always experimented with my appearance, I find it interesting to see how others see me.
And I’ve noticed that an inconspicuous, more or less unassuming appearance is more appealing than an overly conspicuous one.
And the more skin I show, the more it displeases people.
That’s precisely why caution is called for: because what I wear or don’t wear on my skin, often gets under the skin, and a provocative appearance contributes to conjuring up stereotypical images.

Immerhin machen Kleider Leute – hat Kleidung die Macht, Leute über das Wesentliche hinwegzutäuschen, sodass die so Getäuschten vor lauter Schauen nichts sehen, nicht erkennen, sondern (mich) verkennen.
Denn das, was diese mich verkennenden Leute, meine Mitmenschen, in mir zu erkennen glauben ist das, was sie von ihren Bekannten ohne Wertedenken kennen, die sie nicht als ihresgleichen anerkennen.
Dann sehen sie mich, eine Unbekannte, die ich äußerlich den nicht wertgeschätzten Bekannten gleiche, da ich Ähnliches am Körper – und damit nach außen trage, was ihnen unerträglich scheint – weshalb sie, einem Irrglauben aufsitzend, auch mich abwerten, ohne mich je persönlich kennengelernt zu haben, weil sie es von vornherein nicht für Wert halten, mich kennenzulernen, gleiche ich ja den Bekannten ohne Wertedenken (…).
Dann spricht mein durchaus ansprechendes, aber nicht der sozialen Norm entsprechendes Äußeres nicht für mich – und ich bleibe die verkannte Unbekannte.
Diese Art von Voreingenommenheit, die meine Art nicht ist, erlebe ich allzu oft – doch habe ich mir vorgenommen, es nicht allzu persönlich zu nehmen.
Immerhin sind Stereotype typisch für uns Menschen und so alt wie die Menschheit selbst – und stereotyp denkende Menschen ändern zu wollen, ließe mich alt aussehen.
Darum verändere ich nur mich selbst, kleide mich nach dem eigenen Dafürhalten und stehe für das ein, wofür ich stehe – mögen andere davon halten, was sie wollen.
After all, clothes make the man—clothing has the power to deceive people about what is essential, so that those thus deceived see nothing, don’t recognize, but misjudge (me). What the people who misjudge me believe they recognize in me is what they know from their acquaintances without any value-based thinking, whom they don’t recognize as their equals. Then they see me, a stranger, who outwardly resembles the esteemed acquaintances, since I wear similar clothing on my body—and thus outwardly, which seems unbearable to them—which is why, under a false belief, they also devalue me without ever having met me personally, because they don’t consider it worth getting to know me from the outset, since I resemble the acquaintances without any value-based thinking (…).
Then my appearance, which is certainly appealing but doesn’t conform to social norms, doesn’t speak for me—and I remain the unrecognized unknown.
I experience this kind of prejudice, which isn’t my style, all too often—but I’ve resolved not to take it too personally.
After all, stereotypes are typical of us humans and as old as humanity itself—and trying to change people who think stereotypically would make me look old.
That’s why I only change myself, dress according to my own ideas, and stand up for what I stand for—and let others think what they will.

Mit diesem Beitrag, der zu mehr Selbstwertgefühl beitragen soll, will ich aussagen, sich von dem, was andere sagen, nicht entmutigen zu lassen, sondern das, was einem steht und wonach einem Sinn steht, mutig nach außen zu tragen.
Und andere anders sein zu lassen – für ein v-erträgliches Miteinander.
With this post, which is intended to contribute to greater self-esteem, I want to say that you shouldn’t be discouraged by what others say, but rather that you should courageously express what you are comfortable with and what you value.
And let others be different – for a more tolerable coexistence.
Kleinlichkeit – (k)eine Kleinigkeit
Schwanenflügelflüstern
Schwans gedämpftes Flügellied
durch mondgebleichte Weiten zieht;
ob gar heut‘ ein Leid geschieht
der Kleinen mit dem Kupferhaar,
die früh schon Angriffsfläche war
für den Hass der Vorstadtleute,
deren Bosheit lechzt nach Beute –
da sie Aufsehen erregen
mag, wirkt sie ja höchst verwegen?
Man sieht in ihr eine Gefahr,
die mit jedem neuen Jahr
wächst – und umso mehr gedeiht,
als das Kupferrot ihr Macht verleiht;
denn man argwöhnt der Exotik,
die, gepaart mit der Erotik,
allzu sehr den Sinn betört,
gehemmtes keusches Volk empört.
Was ihr wohl im Schatten droht,
der Hexe, welche das Gebot
der Frömmigkeit zu wenig achtet,
scheinbar nach den Lastern schmachtet –
wie man meint, ohne zu wissen?
Wer blickt schon hinter die Kulissen.
Von klein auf …
… kenne ich verkennendes Denken, und das gibt mir zu denken.
Wie groß waren meine Mühen, mich nicht klein machen zu lassen – und doch war es der Mühe oft nicht wert.
Umso mehr lege ich, inzwischen groß geworden, größten Wert darauf, zum Missfallen anderer aufzufallen – und mir dabei selbst zu gefallen.
Immerhin komme ich aus einer gutbürgerlichen Kleinstadt, wo man kleinlich denkt, wo gut ist, was man kennt – wo man Freigeister verkennt und Freizügigkeit nicht anerkennt.
Da passe ich mit meinem unangepassten Gesamterscheinungsbild nicht ins Bild – bin bestenfalls eingebildet, wenn ich es wage, meinen Eigensinn im gewagten Kleid zu präsentieren. Denn was in der Großstadt nicht groß auffällt, kommt in der Kleinstadt gar nicht gut an.
Und bin ich erst auf dem Präsentierteller, kommt auch schon das weniger Gute im gutbürgerlichen Mitmenschen zum Vorschein, der, engstirnig und mitunter engen Anzug tragend, meinen Wagemut als Gewagtheit und meine Freizügigkeit als Anzüglichkeit verkennt.
Dabei kann ich es dem Anzugträger nicht verdenken: enge Kleidung beengt – auch das Denken.
Ich aber, die ich als Künstlerin und Freigeist Kleingeistigkeit nicht ertrage, trage meine etwas freiere Geisteshaltung unter aufrechter Körperhaltung bewusst wie selbstbewusst nach außen – während ich so frei bin, etwas Freizügiges zu tragen.
Pettiness – (not) a petty matter
A whisper in the dark
I see this girl with the copper-colored hair,
sitting out there
alone – something could happen to her.
Ever since she became the villagers’ prey,
she has to pay
for something that she hasn’t done;
how come?
It’s because she seems apart,
a stranger among people without a heart,
who despise her for her exoticism,
which, coupled with erotisism,
shouldn’t be;
who would disagree?
But what do the villagers know?
It’s nothing but envy they show.
Who dares to look behind the scenes?
No one, as it seems.
From an early age …
… I’ve known misjudging thinking, and it gives me food for thought.
How great were my efforts not to let myself be belittled – and yet it was often not worth the effort.
Now that I’ve grown up, I place even greater importance on attracting attention and displeasing others while pleasing myself.
After all, I come from a middle-class small town where people think pettily, where what they know is good – where free spirits are misjudged and liberalness is not recognized.
With my nonconformist overall appearance, I don’t fit in there – I’m conceited at best when I dare to present my stubbornness in a daring outfit. Because what doesn’t attract much attention in a big city doesn’t go down well at all in a small town.
And once I’m on display, the less good in my middle-class fellow human beings comes to the fore. They, narrow-minded and sometimes wearing tight suits, mistake my daring for boldness and my liberalness for suggestiveness.
I can’t blame the suit wearer: tight clothing constrains – even the mind.
But I, as an artist and free spirit who cannot tolerate narrow-mindedness, consciously and confidently display my somewhat freer mental attitude while maintaining an upright posture – while being free to wear something revealing.

Denn wenn ich mich nicht klein machen lasse, ist Kleinlichkeit eine Kleinigkeit.
Außenseiterhorizont
Kira, unberechenbar,
liebt ihr feines Wellenhaar,
ist ihr eigenes Idol,
schert sich nicht um Nachbars Wohl.
Und sie treibt ihr wirres Spiel,
möchte alles, fordert viel,
pfeift auf jede Konvention –
gern vergreift sie sich im Ton.
Allein mit sich im dunklen Zimmer,
unterirdisch, schreibt sie immer
nieder
ihrer Seele Lieder,
die dem Größenwahn entspringen,
Chaos in die Ordnung bringen.
Das, was Kira inspiriert,
ist jenes, was man gern zensiert –
es sind Gedanken, die verbannt,
da sie gar zu provokant.
Aber irgendwann
kommt Kira ganz bestimmt voran,
bringt sie ihre Haltung weiter,
die dem stolzen Außenseiter,
dem oft Unrecht widerfährt,
jenes gibt, was ihm verwehrt
im Nestchen, das sich Heimat nennt –
das Anderssein nicht anerkennt.
Outsider’s horizon
Kira, unpredictable,
hardly ever stable,
loves her wavy hair –
but she doesn’t care
what peolpe think of her.
And she plays her game
within an unconventional frame,
wants everything, demands a lot;
and even prays to her own god.
All alone in her room
filled with gloom,
she writes down the songs from her soul
and spirals out of control –
and it makes her whole.
She’s inspired by thought that are banished
because she likes to reveal the blemish;
but people dislike her way
that resembles a stray –
but maybe one day
there will be a place she can stay;
a place she’ll gladly call home –
a place that isn’t just made of loam.
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