Sprache ist das, was uns menschliche Säugetiere von anderen Tieren unterscheidet, was uns Menschen zu Menschen – aber nicht immer menschlicher macht.

Der Ton macht die Musik – und wenn ich mich im Ton vergreife, gleicht das einem verbalen Angriff.

Scharfe Munition

Dauerregen, Straßenpfütze –

aufgepasst, der Fahrradschütze

direkt hinter mir

ähnelt einem wilden Stier,

sieht in mir, das ist gewiss,

ein unerwünschtes Hindernis,

welches ihn zum Bremsen zwingt;

was ihm einen Fluch abringt.

Soll ich Schlampe dafür büßen,

ihm die freie Sicht zu nehmen

– im Dreck verrecken würde er begrüßen –

möge ich mich schämen.

Gern trät’ er mich statt der Pedal’,

mit Füßen,

das wär’ ihm scheißegal.

Doch Worte sind …

… nichts als Worte und keine Taten – könnte man sagen.

Eine Aussage, die nicht ganz den Tatsachen entspricht, denn was ich mit spitzer Zunge sage, kann scharf wie ein Messer sein.

Und je schärfer die Worte, desto mehr spitzt die Situation sich zu, werden messerscharfe Worte zu Tatwaffen – werden aus verbalen Missetaten mitunter tatsächliche Untaten.

I conform when I speak the same language

Language is what distinguishes us human mammals from other animals, what makes us human—but not always more human.

It’s the tone that makes the music—and if I use the wrong tone, it’s like a verbal attack.

Massive attack – what the heck ..?!

Rain is falling,

curses halling

right behind me –

who can it be?

It’s a guy on his bike

who doesn’t like

my standig in his way –

but there’s nothing more for him to say

but call me a witch,

a dirty bitch,

born to die in the nearest ditch.

But words are …

… nothing but words and not deeds – one might say.
A statement that doesn’t quite correspond to the facts, because what I say with a sharp tongue can be as sharp as a knife.

And the sharper the words, the more the situation escalates, and razor-sharp words become weapons of crime – and sometimes verbal misdeeds even turn into actual crimes.





Messerscharf und zungenspitz

Dabei kann es ganz sinnvoll sein, dem Sprechen zwischendurch zu entsagen und statt Unsinn einmal gar nichts zu sagen.

Be-sinn-ung

Das Schweigen gebiert die Besinnung,

wird Zuflucht und Ort der Bestimmung,

schluckt Silben und Sätze und Worte,

eröffnet der Einsicht die Pforte.

Gewohnte Strukturen zerfallen,

vernichtende Flüche verhallen

im klärenden dickichten Leise

auf unverblümt magische Weise.

Das Schweigen gibt Raum für Besinnung

und wird mir zum Ort der Bestimmung.

Auch kann es …

… weniger Missverständnisse und mehr verständnisvoller Miteinander geben, wenn wir untereinander die gleiche Sprache sprechen – sinnbildlich gesprochen.

Denn das Gute an Sprache ist, dass ich über das Sprachbild gleich erkenne, ob mein mir unbekanntes Gegenüber von gleicher oder ähnlicher Gesinnung ist.

Nicht umsonst kommen gleichgesinnte Unbekannte sich sogleich bekannt vor, ohne einander zu kennen.

But sometimes it …

… can be quite useful to say nothing at all instead of nonsense.

Reflection

Silence gives birth to reflection,
far from perfection,
swallows syllables, sentences, words,
opens the door to insight.
Familiar structures crumble,
devastating curses fade away
in the clarifying silence
in a frankly magical way.

There can also be fewer misunderstandings and more understanding between people if we speak the same language with each other – figuratively speaking.

The good thing about language is that I can immediately tell from the linguistic expression whether my stranger is of the same or similar mindset.
That’s why like-minded strangers immediately seem familiar to each other, even without knowing each other.





Crème de la Blanche e Coffea d’Arabica

Ich kenne das von mir selbst: da ist mir eine unbekannte aber gleichgesinnte Person oft vertrauter als eine altbekannte oder verwandte Vertrauensperson, die ich mein Leben lang „kenne“.

So sehe ich in meinen Blutsverwandten – der größeren Verwandtschaft – keine Verwandten des Geistes, da wir trotz unserer Deutschsprachigkeit nicht dieselbe Sprache sprechen.

Mit meiner nach der Schrift gesprochenen Hochsprache nämlich entspreche ich von klein auf nicht der Art zu sprechen, die in der Großfamilie groß geschrieben wird: Mundart.

Da erscheint meine hochdeutsche Bildungssprache wie eine Fremdsprache – und man erkennt an meiner Sprache nicht die Gebildete, sondern verkennt mich als eingebildete Wesensfremde.

Was ich im Wesentlichen auch bin: gebildet, aber nicht eingebildet – und ihnen, meinen sprachlosen Blutsverwandten, seit jeher fremd.

Und als befremdend empfinden meine Verwandten, ohne es eigens auszusprechen – die Körpersprache sagt alles – auch mein Verhalten: überempfindlich, eigen und lebensfremd.

Wobei eine Mimose unter Nutzpflanzen genauso kurzlebig ist wie ich Stadtpflänzchen unter den mir anverwandten Landgewächsen, die reden, wie ihnen der Mund gewachsen ist: auf eine Art, die ihrem rauen Landleben entspricht – und die der mir eigenen Art zu sprechen, fein wie die fine arts, widerspricht.

In know this …

I know this from my own experience: an unknown but like-minded person often feels more familiar to me than an old acquaintance or trusted relative whom I’ve „known“ my whole life.

Thus, I don’t see my blood relatives—the extended family—as relatives of spirit, since, despite being German speakers, we don’t speak the same language. And so, with my written language, I’ve always been the black sheep among my dialect-speaking relatives: I don’t fit the mold.

That’s why my educated language is viewed by my relatives as a foreign language—and they don’t recognize me as educated by my language, but rather misjudge me as a conceited alien.

Which is essentially what I am: educated, but not conceited—and always a stranger to them, my speechless blood relatives.

And my relatives, without explicitly saying so—their body language says it all—also find my behavior strange: overly sensitive, stubborn, and out of touch with life.

After all, a mimosa is just as short-lived among crop plants as I am, a city plant, among my terrestrial relatives, who speak as their mouths come: in a way that suits their harsh country life—and that contradicts my own way of speaking: as refined as the fine arts.









Das schwarze Schaf

Die Schule des Lebens wirkt belebend

Bildung kann Voreingenommenheit, die emotionaler Natur und damit (n)ur menschlich ist, zwar nicht aus der Welt schaffen – doch kann sie geistiger Kurzsichtigkeit Abhilfe schaffen und zu mehr Weitblick verhelfen, um das Anderssein anderer besser anzunehmen.

Denn eine schöne, bildhafte Sprache ist mehr als nur schöngeistiges pro forma: sie zeugt von innerem Reichtum – und erzeugt reichlich gute Gedanken.

Dann ist zwar nicht alles gleich gut – aber Vieles ungleich besser.

Als humanistisch Gebildete halte ich viel von Allgemeinbildung – die Aus- und Weiterbildung meiner Kunstfertigkeit als bildende Künstlerin aber ist, meinem Naturell entsprechend, autodidaktischer Natur.

Denn ich bilde mir ein, dass die Schule des Lebens der natürlichen Begabung mehr gibt als jede Kunsthochschule.

Und die Schule des Lebens wirkt belebend, macht Kunst für mich zum Erlebnis.

Das, was ich selbst mit-erlebe, nämlich lerne ich fürs Leben – und genau darin liegt für mich der Sinn.

In diesem Sinne: hoch lebe die Kunst!

Mit oder ohne Kunsthochschule.

Aus dem Leben

Ein spezieller Ort für alle

ist die große Markthalle,

die im Bergmannkiez man findet,

wohinein man gern verschwindet,

um die Sinne zu verwöhnen –

kulinarisch und mit schönen

wie lokalen Kunstprogrammen,

die von Kreativen stammen.

Nebenan – ein Comicladen,

der nicht nur Touristenschwaden,

sondern auch Berliner lockt,

denn die junge Szene rockt;

Lesestoff für jedermann

bietet sich – wer will und kann,

sieht ihn sich genauer an.

Und dann setzt man seine Schritte

ein Stück weiter, Richtung Mitte,

nimmt den Bus, stößt mit der Nase

jäh auf die Oranienstraße –

wo die kecke Nadja sitzt,

die noch gutes Handwerk schätzt.

Sie ist eine Töpferin,

findet ihren Lebenssinn

im Erzeugen von Keramik –

mit Geschick und viel Dynamik

formt sie liebevoll Figuren,

weiblich sanft sind die Konturen,

jedes Stück ein Unikat,

filigran und delikat.

Doch wählt im Gespräch sie Worte

von der ungeschönten Sorte,

welche in ihr Künstlerleben

unverfälschten Einblick geben –

und der Pfad war selten eben.

The school of life enlivens me

Education cannot eliminate prejudice, which is inherently human, but it can help us gain a broader perspective to better accept the differences of others.

A beautiful, figurative language is much more than just empty phrases: it testifies to inner richness and generates good thoughts, which makes things better.

As a person with a humanistic education, I value general education. However, the development of my artistic skills as a visual artist is self-taught because I believe that the school of life offers more to natural talent than any art school can do.

It’s the school of life that enlivens me and makes art an experience for me.
And what I experience myself, I learn for life—which is where the meaning lies for me.

Long live art – wiith or without art school.

The taste of live

A special place for all
of us is the market hall
and the comic book store
right next door –
both located in the Kreuzberg art scene
where I’ve often been;
it was so inspiring.

And another day
I had a stay
at Nadja’s place:
she molds figures from clay,
figures full of grace;
and her path has hardly been smooth –
but she has’nt forgotten to move to the groove.

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